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Studieren – mit Kind?!

Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) lag die Zahl studierender Eltern im Jahr 2012 bei 7% aller Studierenden. [1] Die Sozialerhebung wird deutschlandweit ausgerichtet, man kann sie auch Städte-spezifisch anfordern. Dies sollte das KIT für die nächste Sozialerhebung anstreben, damit die verschiedenen sozialen Gruppen innerhalb der Studierenden in Karlsruhe erfasst werden können.

Das durchschnittliche Alter der Studierenden mit Kind liegt bei 31,2 Jahren im Erststudium, was im Vergleich zu den Studierenden ohne Kind (durchschnittlich 23,6 Jahre) 7,6 Jahre mehr sind. Ein Studium mit Kind bedeutet also im Verlgeich zu einem kinderlosen ein deutlich höheres Alter im Studium. Dies kann darin begründet sein, dass die Studierenden ihr Kind schon vor dem Studium bekommen haben und erst nach der Elternzeit ihr Studium antreten. Das höhere Alter ist allerdings auch darin begründet, dass große Teile des persönlichen Zeitpensums in die Beaufsichtigung, Betreuung und Erziehung der Kinder fließen.

In Karlsruhe liegen die totalen Zahlen der Studierenden mit Kind zwischen 900 und 1000 Studierenden mit mindestens einem Kind. Ein erfolgreiches Studium ist für sie nur dann möglich, wenn es ausreichende Betreuungsangebote gibt und somit eine Konzentration auf das Studium möglich ist. Die Studierendenschaft des KIT fordert daher schon seit einiger Zeit ein aktives Betreuungsangebot seitens der Universität. Es würde den Studi-Alltag der Eltern um einiges erleichtern, wenn diese ihr Kind zu den jeweiligen Vorlesungszeiten dort abgeben und anschließend gut betreut wieder abholen könnten. Dieses Angebot sollte kostengünstig, im besten Fall natürlich kostenlos sein. Das KIT müsste dafür lediglich ausreichend große und kindgerecht ausgestattete Räumlichkeiten sowie Betreuungspersonal bereitstellen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Wickeltische. Es gibt auf dem Campus mittlerweile zwar 3 davon, allerdings ist diese Anzahl noch lange nicht ausreichend. Der Wickeltisch im neu errichteten Lernzentrum am Fasanenschlösschen muss außerdem noch eindeutig ausgeschildert und beworben werden. Wichtig für die Zukunft ist ganz klar auch, dass die Wickeltische für alle Geschlechter frei zugänglich sein müssen.

Wenn der AStA auf seiner Homepage und auf Facebook publiziert, dass es einen neuen freien Platz in einer der Kindertagesstätten des Studentenwerkes in Karlsruhe gibt, ist der Zuspruch hier sehr hoch. Die Plätze in Kinderhaus Blumenland und der Kindertagesstätte Sternschnuppe sind begehrt. [2] Studierende Eltern können sich aufgrund ihrer finanziellen Situation in der Gesellschaft meist keine regelmäßigen Babysitter leisten oder beispielsweise auch nicht auf Freunde und Verwandte zur Beaufsichtigung zurückgreifen, wenn sie für ihr Studium umgezogen sind.

Die GAL wird sich dafür einsetzen, dass die Hindernisse für Studierende mit Kind am KIT abgebaut und Wickeltische und Betreuungsangebot ausgebaut werden.

[1] http://www.sozialerhebung.de/erhebung_20/soz_20_haupt, Kapitel 14
[2] http://www.sw-ka.de/de/beratung/studieren_mit_kind/?page=1

Rechte von studentisch Beschäftigen wahren

Viele Studierende am KIT verdienen sich ihren Lebensunterhalt als studentische Beschäftigte (oft auch HiWi genannt). Dabei üben sie oft hochqualifizierte Tätigkeiten aus, die eine gute Fachkenntnis benötigen. Nichtsdestotrotz arbeiten diese Studierenden in einem prekären Beschäftigungsverhältnis. Dies bedeutet unter anderem, die Abhängigkeit von den Professor*innen des Instituts, bei denen eventuell noch Prüfungen abgelegt werden müssen, kurzfristige Arbeitsverträge und schlechte Bezahlung. Hinzu kommt, dass viele Studierende ihre Rechte, wie z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsanspruch, nicht kennen.

Studentischen Beschäftigten müssen ordentlich vom KIT über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden. Doch nicht nur die Studierenden, sonder auch die Mitarbeiter*innen der Institute, die oft leider auch keine Ahnung von diesem Thema haben. Hier soll zu mindestens eine Informationsbroschüre mit allen wichtigen Informationen bei allen Neuverträgen verteilt werden.

Momentan sind studentische Beschäftigte vom Tarifvertrag der Länder (TV-L) explizit ausgeschlossen. Doch damit wäre eine Koppelung an die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst verbunden, was eine regelmäßige Lohnerhöhung und damit auch eine Anpassung des Lohns an die Lebenshaltungskosten bedeuten würde. Hier würden sich auch die Regelungen für Mindestlaufzeiten und -umfang von Verträgen, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und geregelte Bezahlung für Wochenend- und Nachtarbeit, deutlich verbessern. Deswegen arbeiten wir, zusammen mit Gewerkschaften daran, dass die studentischen Beschäftigten endlich in den TV-L übernommen werden.

Die Eingliederung in den TV-L bringt auch den Vorteil , dass alle nach der Art und Schwierigkeit ihrer Tätigkeit bezahlt werden müssten. Dies ist jedoch auch jetzt schon teilweise so. Denn studentisch beschäftigt ist nur, wer in Forschung oder Lehre arbeitet. Am KIT bekommen jedoch auch viele Studierende die in anderen Bereichen tätig sind, z.B. Angestellte in der KIT-Bibliothek oder Verwaltung, nur einen Arbeitsvertrag als studentische Beschäftigte. Dies verstößt gegen geltendes Recht und bedeutet für diese Studierenden eine finanzielle Einbuße, da ein viel zu geringer Lohn gezahlt wird.
Doch nicht nur die zu niedrige Bezahlung sonder auch die Auszahlung des Gehalts war in der Vergangenheit oft ein Problem am KIT. So mussten im Januar 2009 [1][2] und Juli 2012 [3] viele Studierende monatelang auf ihren Lohn warten, da das KIT nicht in der Lage war diesen rechtzeitig auszuzahlen. Doch anstatt daran zu arbeiten, die internen Probleme zu lösen zwang das KIT im letzten Jahr viele Studierende, die einen neuen Arbeitsvertrag bekamen, zu unterschreiben, dass sie damit Einverstanden sind, eventuell erst Monate später ihren Lohn ausgezahlt zu bekommen. Wir sind der Meinung, dass auch Studierende einen fairen und pünktlich bezahlten Lohn verdienen und setzen uns deswegen auch für euch ein.

Finanzierungswege des eigenen Studiums (in Prozent)
Abb. 1 Finanzierungswege des eigenen Studiums (in Prozent) [4] Vgl. S.71

Knapp 80% der Studierenen finanzieren ihr Studium über die Erwerbstätigkeit an der Universität [Vgl. Abb. 1]. Diese brauchen die Sicherheit auch über einen längeren Zeitraum ein regelmäßiges Einkommen zu haben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Doch leider haben ca. drei viertel der Arbeitsverträge von studentischen Beschäftigten eine Laufzeit von unter 6 Monaten [Vgl. Abb. 2]. Oft sind dann auch noch die Laufzeit an die Semesterzeiten gekoppelt, was dazu führt das die Verwaltung vor Beginn eines Semesters plötzlich tausende Arbeitsverträge bearbeiten muss. Diese regelmäßige Überbelastung der Verwaltung führt dann meist zu Verzögerungen in der Bearbeitung der Verträge, was wiederum eine verspätete Lohnauszahlung zur Folge haben kann. Deswegen wollen wir das die Arbeitsverträge von studentischen Beschäftigten in der Regel 2 Jahre betragen. Das würde die Verwaltung entlasten und den Studierenden eine Planungssicherheit bieten.

Vertragslaufzeit (3 Kategorien, in Prozent)
Abb. 2 Vertragslaufzeit (3 Kategorien, in Prozent) [4] Vgl. S.42

Falls ihr mehr Informationen über eure Rechte als studentische Beschäftigte haben wollt, können wir euch den Blog der Gewerkschaftlichen Studierendengruppe (GSKa) nur empfehlen.

[1] BNN: 07.02.2009 Uni-Jobber warten auf ihren Lohn
[2] ka-news.de: 07.02.2009 Beschäftigte der Karlsruher Universität ohne Lohn
[3] asta-kit.de: Pres­se­spie­gel be­züg­lich ver­zö­ger­ter HiWi Löhne
[4]Lenger, Schneickert, Priebe (2012) Studentische MitarbeiterInnen – Zur Situation und Lage von studentischen Hilfskräften und studentischen Beschäftigten an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Bildung für alle

Leider entscheidet in Deutschland, wie in kaum einem anderen Land, die soziale Herkunft über den individuellen Erfolg im Bildungswesen. Dazu kommt, dass weder auf die Begabungen noch auf die Schwächen und Probleme der einzelnen SchülerInnen eingegangen wird! Dies fängt schon im Kindergarten an, setzt sich mit einem mehrgliedrigen Schulsystem fort und endet auch nicht in der Hochschule.

Nur 2% aller Studis in Deutschland kommen aus einem Elternhaus mit niedrigem Bildungshintergrund, dagegen kommen 2/3 aus einem Akademikerhaushalt. Damit ist Deutschland zusammen mit z.B. der Slowakei oder Lettland Schlusslicht in der EU.

Neben gebührenfreier Bildung und einer Abkehr vom mehrgliedrigen Schulsystem ist hier vor allem auch die Anhebung und Ausweitung des BAFöG erheblich. Jedem Menschen muss die Möglichkeit gegeben sein, den gewünschten Bildungsweg einschlagen zu können. Dafür sollte auch jede*r per Gesetz einen Anspruch auf das Breitenförderungsinstrument BAföG haben. Hierbei ist dieser Anspruch unabhängig vom Einkommen der Eltern und der Herkunft der Studierenden zu sehen.

Das bereits 1971 eingeführte und später wieder abgeschaffte Konzept des Vollzuschusses der staatlichen Studienfinanzierung muss wieder aufgenommen werden. Da sich im derzeitigen Rückzahlungssystem Schulden von bis zu 10.000 Euro nicht vermeiden lassen, hält auch das BAföG-System aufgrund der herkunftsabhängigen Verschuldungsbereitschaft Studieninteressierte von der Aufnahme eines Studiums ab. Außerdem belastet die durch die Rückzahlungspflicht entstehende Überschuldung die Betroffenen stark.

Zu Bildung für alle zählt aber nicht nur der Hintergrund der Eltern. Viele Gebäude bzw. Hörsäle am KIT sind leider immer noch nicht barrierefrei zugänglich. In ganz Deutschland gibt es gerade einmal 7% Studis mit Beeinträchtigungen, für das KIT gibt es leider keine Informationen. Auch hier gilt es also viel zu leisten damit Studierende mit Beeinträchtigungen in Zukunft besser oder auch überhaupt studieren können.

Auch der Anteil an ausländischen Studierenden ist am KIT mit ca. 17% gar nicht so hoch wie man es beim oft geäußerte Anspruch einer internationalen Universität erwarten könnte. Hier gilt es sowohl am KIT als auch auf Landes- und Bundesebene den Zugang zu fördern.

Schließlich und endlich ist auch das Thema Gleichstellung auch in diesem Bereich ein Wichtiges. Das KIT hat mit 27% den geringsten Frauenanteil unter TU9-Universitäten. Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur und fangen oft schon im Kindesalter an, wenn Jungs oft eher darin gefördert werden zu bauen und zu forschen als Mädchen, gehen weiter mit sexistischen Lehrern und dann leider hier auch oft ebensolchen Dozenten.

Ökostrom am KIT

Eine Universität (und natürlich auch ein Forschungszentrum) ist ein Ort der Zukunft. Das sollte sich auch in ihrer Organisation und Infrastruktur widerspiegeln. In Deutschland hat sich dankenswerter Weise bei den meisten Menschen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Energiegewinnung aus Atomkraft und Kohle und anderen fossilen Energieträgern, auf Grund ihrer nicht abschätzbaren Risiken oder Folgen für den Klimawandel, keine Zukunft haben sollten. Die Erneuerbaren haben zwar vor allem beim Stromverbrauch schon eine beachtliche Steigerung des Strommarktanteils erreicht (von 1997 bis 2012 hat sich der Anteil des Endverbrauchs um ca. 20% auf ein ca. viertel des Endverbrauches erhöht) und es werden bis 2020 eine weitere Steigung auf 40-50% des Endverbrauch-Marktanteils prognostiziert 1, allerdings darf man sich deswegen noch nicht zurücklehnen. Hier sollte sich nicht mit Minimalzielen begnügt werden. Es ist durchaus realistisch bis 2030 in Deutschland eine komplette Deckung des Stromendverbrauchs durch erneuerbare Energien zu erreichen3.
Damit dies erreicht wird, muss, wenn die Politik nicht beschleunigend eingreift (was bei der jetzigen GroKo nicht wahrscheinlich ist2), der Verbraucher selbst auf erneuerbare Energien umsteigen.
Das KIT kann als Groß-Verbraucher hier durch das Beziehen von Ökostrom mehr tun, als nur ein Zeichen setzen.

Dabei ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom. Da es in Deutschland keine rechtlichen Definition für Ökostrom gibt, kann jeder Anbieter seinen Strom theoretisch als Ökostrom deklarieren. Es ist also wichtig das der bezogene Ökostrom durch eines der anspruchsvollen Ökostrom-Gütesiegel wie das „ok-Power Label“ oder das „Grüner Strom Label“ zertifiziert ist. Diese garantieren u.a., dass der bezogene Strom aus 100% regenerativen Energiequellen in das Stromnetz eingespeist wird und das neue Anlagen zur „Produktion“ erneuerbarer Energien geschaffen werden.
Es ist nämlich nicht ausreichend, wenn z.B. Strom einfach nur aus einem 20 Jahre alten Wasserkraftwerk bezogen werden, aber keine neuen Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien gebaut werden. Damit wird nur eine Verlagerung des Verbrauchs des konventionell erzeugtem Stroms erreicht.
Deswegen ist es umso wichtiger, dass das KIT echten Ökostrom bezieht und damit seinen Teil zu einer gelingenden Energiewende beiträgt.

Links zum weiterlesen:
Studie des SRU
Stromauskunft Ökostrom
ökostrom.net

  1. Quelle: Wikipedia Erneuerbare Energien Stand vom 16.06.2014 [zurück]
  2. Siehe: Koalitionsvertrag GroKo[zurück]
  3. Quelle: Interview mit einem der Hauptautoren der am Ende verlinkten Studie des SRU [zurück]

Für eine demokratische Hochschule

Die GAL setzt sich für eine demokratische Hochschule ein.

Doch was bedeutet das eigentlich, sind die jetzigen Hochschulen etwa „undemokratisch“? Und wenn ja, was genau ist an ihnen denn undemokratisch?

Um diese Fragen zu beantworten müssen wir uns auch das seit 9. April 2014 in Baden-Württemberg geltende Landeshochschulgesetz anschauen. (Keine Angst wir werden keine Paragraphenschlacht führen). Für das KIT gibt es dann noch das KIT-Gesetz, das ebenfalls novelliert wurde.

Aber fangen wir ganz am Anfang an. Es gibt an jeder Hochschule drei zentrale Gremien bzw. Organisationseinheiten: Das Rektorat (an manchen Unis [auch am KIT] Präsidium genannt), der Senat und der Hochschulrat.
Das Rektorat leitet die Hochschule und hat weitgehende Befugnisse, u.a. wird fast Alles, was mit Geld zu tun hat, vom Rektorat geregelt. Das Rektorat hat Zugang zu allen Universitären Gremien und die Mitglieder des Rektorats werden normalerweise auf 6-8 Jahre gewählt.
Der Senat ist eine Art legislatives Organ. Er ist zuständig für Fragen der Forschung, der Lehre und des Studiums und entscheidet u.a. zum Beispiel über die Änderung von Studiengängen oder über Satzungen und Grundordnungen. Zu vielen anderen wichtigen Fragen hat der Senat nur das Recht Stellungnahmen zu beschließen. Z.B. darf der Senat zum Haushaltsplan nur Stellungnahmen abgeben.
Der Senat des KIT besteht aus insgesamt 50 Mitgliedern, wovon jeweils die Hälfte aus Universitätsteil und Großforschungsteil des KIT kommen. Dabei sitzen im Senat ganze drei studentische Vertreter. Als Gäste gibt es noch zwei weitere Studierende und ein Mitglied des AStA-Vorstandes.
Der Hochschulrat (ehemals Aufsichtsrat [am KIT immer noch Aufsichtsrat]) ist ein meist wesentlich kleineres Gremium (6-12 Mitglieder) als der Senat, mit dafür um so weitreichenderen Befugnissen. Laut Gesetz soll er die strategische Ausrichtung der Hochschule bestimmen, das Rektorat beaufsichtigen und „der Erhöhung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit dienen“1. Der Hochschulrat ist normaler Weise komplett extern besetzt und beschließt z.B. den Haushaltsplan, wählt mit dem Senat das Rektorat, welches dem Hochschulrat rechenschaftspflichtig ist, und muss nahezu allen wichtigen längerfristigen Entscheidungen zustimmen.

Schon an der Beschreibung dieser Gremien kann man erkennen, dass da einiges nicht so ganz demokratisch ablaufen kann.

Der Hochschulrat/Aufsichtsrat muss abgeschafft werden!
Der Hochschulrat ist eigentlich ein Relikt aus den Zeiten tiefschwarzer Hochschulpolitik (oder sollte es zumindest sein, denn so alt ist diese ja leider noch nicht). Er ist im Grundbild der „unternehmerischen Hochschule“, zu dem auch Studiengebühren, Drittmitteleinwerbung, Exzellenzinitiative und letztendlich auch die Bologna-Reform gehören, fest verankert (was man ja schon im unter Anmerkung 1 zitierten Gesetzestext sehen kann). Eigentlich hat sich die neue Landesregierung von diesem Leitbild mit der Änderung des Landes-Hochschul-Gesetzes (LHG) und der Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft2 verabschiedet. Und obwohl in dem Änderungsgesetz (3. HRÄG) viele Altlasten entfernt wurden (die z.T. aus der Paranoia mancher CDU-Politiker entstammt, dass alle Hochschulen im Grunde nichts anderes seien als Keimzellen linksextremistischer Terrorgruppen) und wirklich in vielen Bereichen weitgehende Verbesserungen erreicht wurden, sind leider gerade im Bereich der zentralen Organisation der Hochschule nur geringe Fortschritte gemacht worden.
Der Hochschulrat ist ein für die meisten Mitglieder der Hochschule völlig intransparentes Gremium, dass viel zu weitgehende Kompetenzen hat, nicht demokratisch kontrolliert werden kann, dessen Mitglieder direkt vom Land „bestellt“ werden, die z.T. nur einen geringen Einblick in die sonstige Verwaltung der Hochschule und meisten noch weniger Einblick in Studium und Lehre haben. Die Grundaufgabe des Hochschulrats, nämlich die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine Aufgabe, die an einer Hochschule schlichtweg überflüssig ist. Eine Hochschule sollte nicht ein Ort von Wettbewerb, sondern ein Ort guter Lehre für Alle und Forschung durch Kooperation sein.
Deswegen hat ein Hochschulrat/Aufsichtsrat an einer Hochschule/Universität nichts zu suchen! Auch am KIT nicht!

Für einen demokratischeren, transparenteren, gestärkten Senat
Der Senat sollte das höchste Gremium einer Universität sein. Dafür müssen die Rechte und Pflichten, die momentan der Hochschulrat hat, auf den Senat übergehen. Weiterhin kann es nicht sein, dass der Senat im allgemeinen nicht öffentlich tagt, dies ist intransparent und verhindert das Gelingen einer partizipativen Hochschule. Der Senat soll weiterhin das Rektorat kontrollieren, dafür kann es nicht angehen, dass alle Rektoratsmitglieder sowie alle Dekane und Dekaninnen qua Amt Mitglieder des Senats sind, dadurch wird schon oft ein Großteil der Senats durch qua-Amts-Mitglieder besetzt. Natürlich kann es somit auch nicht angehen, dass Rektor/Präsident oder Rektorin/Präsidentin den Vorsitz des Senats innehat. Der Senat muss sich einen eigenen Vorsitz wählen können.
Damit der Senat auch ein wirkliches demokratisches Gremium wird, fordern wir weiterhin die viertelpariätische Besetzung des Senats. Das bedeutet, dass jede Statusgruppe (Professor*innen, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter, nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter) ein Viertel der Sitze des Senats erhält. Gegner dieser Forderung verweisen immer wieder auf ein veraltetes Verfassungsgerichtsurteil aus den siebziger Jahren, nachdem Professor*innen in Fragen der Lehre eine absolute Mehrheit haben müssen. An einer modernen Hochschule, kann es aber nicht sein, dass Lehre immer noch als „Top-down-Prozess“ betrachtet wird, und deswegen der gesamte Senat zu über 50% aus Professor*innen besetzt wird, völlig entgegengesetzt zu den eigentlichen Statusgruppenstärken.
Außerdem werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass das Studierenden-Parlament direkt studentische Senatsabgeordnete entsenden kann. Solange dies nicht der Fall ist, ist in einem der wichtigsten Universitären Beteiligungsfelder die Verfasste Studierendenschaft immer noch zahnlos.

Das sind ja alles schöne Forderungen aber ist es dafür nicht etwas zu spät, da jetzt doch erst das LHG geändert wurde?
Nein! Die GAL wird sich dafür einsetzen, dass von Seiten der Studierendenschaft KIT weiterhin diese Forderungen laut gestellt und an die entsprechenden Politiker und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) herangetragen werden.

  1. Quelle: 3. HRÄG §20 (1) [zurück]
  2. Näheres zur Verfassten Studierendenschaft auf den Seiten des AStAs [zurück]