Beiträge von Moritz

Rechte von studentisch Beschäftigen wahren

Viele Studierende am KIT verdienen sich ihren Lebensunterhalt als studentische Beschäftigte (oft auch HiWi genannt). Dabei üben sie oft hochqualifizierte Tätigkeiten aus, die eine gute Fachkenntnis benötigen. Nichtsdestotrotz arbeiten diese Studierenden in einem prekären Beschäftigungsverhältnis. Dies bedeutet unter anderem, die Abhängigkeit von den Professor*innen des Instituts, bei denen eventuell noch Prüfungen abgelegt werden müssen, kurzfristige Arbeitsverträge und schlechte Bezahlung. Hinzu kommt, dass viele Studierende ihre Rechte, wie z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsanspruch, nicht kennen.

Studentischen Beschäftigten müssen ordentlich vom KIT über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden. Doch nicht nur die Studierenden, sonder auch die Mitarbeiter*innen der Institute, die oft leider auch keine Ahnung von diesem Thema haben. Hier soll zu mindestens eine Informationsbroschüre mit allen wichtigen Informationen bei allen Neuverträgen verteilt werden.

Momentan sind studentische Beschäftigte vom Tarifvertrag der Länder (TV-L) explizit ausgeschlossen. Doch damit wäre eine Koppelung an die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst verbunden, was eine regelmäßige Lohnerhöhung und damit auch eine Anpassung des Lohns an die Lebenshaltungskosten bedeuten würde. Hier würden sich auch die Regelungen für Mindestlaufzeiten und -umfang von Verträgen, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und geregelte Bezahlung für Wochenend- und Nachtarbeit, deutlich verbessern. Deswegen arbeiten wir, zusammen mit Gewerkschaften daran, dass die studentischen Beschäftigten endlich in den TV-L übernommen werden.

Die Eingliederung in den TV-L bringt auch den Vorteil , dass alle nach der Art und Schwierigkeit ihrer Tätigkeit bezahlt werden müssten. Dies ist jedoch auch jetzt schon teilweise so. Denn studentisch beschäftigt ist nur, wer in Forschung oder Lehre arbeitet. Am KIT bekommen jedoch auch viele Studierende die in anderen Bereichen tätig sind, z.B. Angestellte in der KIT-Bibliothek oder Verwaltung, nur einen Arbeitsvertrag als studentische Beschäftigte. Dies verstößt gegen geltendes Recht und bedeutet für diese Studierenden eine finanzielle Einbuße, da ein viel zu geringer Lohn gezahlt wird.
Doch nicht nur die zu niedrige Bezahlung sonder auch die Auszahlung des Gehalts war in der Vergangenheit oft ein Problem am KIT. So mussten im Januar 2009 [1][2] und Juli 2012 [3] viele Studierende monatelang auf ihren Lohn warten, da das KIT nicht in der Lage war diesen rechtzeitig auszuzahlen. Doch anstatt daran zu arbeiten, die internen Probleme zu lösen zwang das KIT im letzten Jahr viele Studierende, die einen neuen Arbeitsvertrag bekamen, zu unterschreiben, dass sie damit Einverstanden sind, eventuell erst Monate später ihren Lohn ausgezahlt zu bekommen. Wir sind der Meinung, dass auch Studierende einen fairen und pünktlich bezahlten Lohn verdienen und setzen uns deswegen auch für euch ein.

Finanzierungswege des eigenen Studiums (in Prozent)
Abb. 1 Finanzierungswege des eigenen Studiums (in Prozent) [4] Vgl. S.71

Knapp 80% der Studierenen finanzieren ihr Studium über die Erwerbstätigkeit an der Universität [Vgl. Abb. 1]. Diese brauchen die Sicherheit auch über einen längeren Zeitraum ein regelmäßiges Einkommen zu haben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Doch leider haben ca. drei viertel der Arbeitsverträge von studentischen Beschäftigten eine Laufzeit von unter 6 Monaten [Vgl. Abb. 2]. Oft sind dann auch noch die Laufzeit an die Semesterzeiten gekoppelt, was dazu führt das die Verwaltung vor Beginn eines Semesters plötzlich tausende Arbeitsverträge bearbeiten muss. Diese regelmäßige Überbelastung der Verwaltung führt dann meist zu Verzögerungen in der Bearbeitung der Verträge, was wiederum eine verspätete Lohnauszahlung zur Folge haben kann. Deswegen wollen wir das die Arbeitsverträge von studentischen Beschäftigten in der Regel 2 Jahre betragen. Das würde die Verwaltung entlasten und den Studierenden eine Planungssicherheit bieten.

Vertragslaufzeit (3 Kategorien, in Prozent)
Abb. 2 Vertragslaufzeit (3 Kategorien, in Prozent) [4] Vgl. S.42

Falls ihr mehr Informationen über eure Rechte als studentische Beschäftigte haben wollt, können wir euch den Blog der Gewerkschaftlichen Studierendengruppe (GSKa) nur empfehlen.

[1] BNN: 07.02.2009 Uni-Jobber warten auf ihren Lohn
[2] ka-news.de: 07.02.2009 Beschäftigte der Karlsruher Universität ohne Lohn
[3] asta-kit.de: Pres­se­spie­gel be­züg­lich ver­zö­ger­ter HiWi Löhne
[4]Lenger, Schneickert, Priebe (2012) Studentische MitarbeiterInnen – Zur Situation und Lage von studentischen Hilfskräften und studentischen Beschäftigten an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen